SCHUFA bald mit neuem Wirkungskreis?

Wie das Handelsblatt in seiner Online-Ausgabe vom 29. Juni 2010 berichtete, möchte sich die SCHUFA in den kommenden Monaten verstärkt auf ein von ihr bisher nur wenig erschlossenes Terrain ausrichten. Neben der klassischen Führung von Bonitätsregistern, möchte die SCHUFA ihre enormen Datensätze zukünftig auch dazu nutzen, Kreditratings zu erstellen und so beim Verbriefen von Krediten mitzuwirken. Damit erschließt sich die SCHUFA einen Wirkungskreis, der wegen der negativen Meldungen der drei großen Ratingagenturen Moody’s, Standard & Poor’s und Fitch durchaus neue Mitbewerber zulassen könnte.

Die SCHUFA wird jedoch kein Kreditrating im eigentlichen Sinne anbieten: Eine konkrete Aussage darüber, wie hoch die Ausfallwahrscheinlichkeit eines bestimmten Kredites ist, wird die SCHUFA laut eigener Aussage auch zukünftig nicht treffen können und wollen. Vielmehr wird es bei der Dienstleistung, welche die SCHUFA anbietet, darum gehen, aus der Vergangenheit eines Kunden Rückschlüsse über die Zukunft zu ziehen und darüber Auskunft zu geben, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für evtl. Probleme mit der gesamten Kundenverbindung sein könnte.

Für die SCHUFA gibt es allerdings noch ungeklärte Fragen, die bisher einen kompletten Einstieg in dieses erweiterte Geschäftsfeld verhindern. Nicht ganz unwichtig ist z.B. die Frage, wer die Kreditratings der SCHUFA zukünftig bezahlen wird? Die Verbriefungsunternehmen sind dazu in der Regel ebenso wenig bereit, wie die Käufer von verbrieften Kreditschulden. Und auch die Verkäufer werden sicherlich nicht begeistert sein, wenn sie zukünftig in alle Transaktionen die Gebühren für das Kreditrating der SCHUFA mit einkalkulieren müssen.

Trotz allem werden es wohl zukünftig die Verkäufer der Kreditprodukte sein, welche die Gebühren der SCHUFA bezahlen, wobei die Kosten natürlich über den gesamten Wertschöpfungsprozess verteilt werden. Ob die SCHUFA mit ihrem neuen Geschäftsfeld Erfolg haben wird, hängt von verschiedenen Faktoren ab und lässt sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht genau sagen. Klar ist aber, dass die SCHUFA über eine enorm große Menge interessanter Datensätze verfügt und sich diese durchaus auch anders als bisher verwenden lassen.